Bewerbungsschreiben mit Storytelling

Bewerbungsschreiben mit Storytelling

Vor einigen Jahren habe ich mit dem Beitrag Über die Dramaturgie im Bewerbungsschreiben Parallelen zur aufmerksamkeitserregenden Filmdramaturgie aufgezeigt. Storytelling im Bewerbungsschreiben bietet speziell nach COVID-19 für Arbeitssuchende eine effektive Möglichkeit, sich wirkungsvoll bei Unternehmen zu präsentieren. Deshalb nochmals einige grundlegende Punkte, die Sie bei der Jobsuche und bei ihrem Bewerbungsschreiben überlegen könnten…

Struktur und Planung beginnt mit Ihrem Lebenslauf

Sie fragen sich, was Sie in einer Bewerbung schreiben sollen? Im Lebenslauf präsentieren Sie in tabellarischer Form sämtliche Stationen Ihres beruflichen Lebens, Ihre Aus- und Weiterbildungsentwicklung, Ihre Fähigkeiten und ein paar faktische Daten. Sie haben aber keinen Platz, um Ihre Motivation oder aufscheinende „Brüche“, mehrere kurzfristige Wechsel und dergleichen im Lebenslauf zu erklären. Betrachten Sie den Lebenslauf daher als Planungsgrundlage für Ihre wahre Geschichte, mit der Sie sich bewerben.

Denn egal ob im Lebenslauf oder in Ihrem Motivationsschreiben: Sie müssen immer bei der Wahrheit bleiben, auch wenn Sie heikle Stellen in Ihrer beruflichen Entwicklung lieber unerwähnt lassen möchten. Dafür bieten genau diese Stellen erzählerisches Potential, mit denen Sie im Bewerbungsschreiben punkten könnten. Wenn Sie sich ihren Lebenslauf ansehen, erkennen Sie bereits eine Struktur, die sich von der Vergangenheit bis in die Gegenwart erstreckt. Sie haben irgendwann am Anfang eine Ausbildung begonnen, sind dann in der Mitte bei verschiedensten Unternehmen tätig gewesen, haben sich weitergebildet, um dann zum Schluss bei dem zukünftigen Unternehmen anzukommen, für das Sie sich gerade bewerben. Damit haben Sie bereits die Grundstruktur Ihrer Geschichte vor sich liegen.

Bewerbung mit Storytelling

Wenn Sie dann mit dem Bewerbungsschreiben beginnen, konzentrieren Sie sich zuerst nicht auf die Länge des Textes. Wenn Sie „Brüche“ in Ihrer Karriere haben, verbirgt sich dahinter vielleicht eine persönliche Geschichte, die für Ihre Rezipienten durchaus spannend sein könnte. Eine Geschichte ohne Konflikte wäre doch auch keine spannende Geschichte oder? Zeigen Sie Ihrem Leser, wie Sie diese Konflikte gelöst haben. Schreiben Sie darüber, ohne zu diskreditieren.

Überlegen Sie auch die Ereignisse, die zu Ihrer Arbeitslosigkeit oder Kündigung in Vergangenheit oder Gegenwart geführt haben. Wie haben Sie Krisen im Alltagsleben bewältigt? Wie ticken Sie als Person? Gibt es Merkmale privater Natur, die auf eine besonders hilfsbereite und vertrauenswürdige Person schließen lassen? Halten Sie sich nicht unnötig damit auf, dem Unternehmen Ihre Motivationen einzubläuen. Sie erzählen einem „fremden“ Unternehmen Ihre persönliche Geschichte, damit Sie auch die Chance für ein persönliches Kennenlernen des Unternehmens erhalten.

Dabei müssen Sie zwar immer bei der Wahrheit bleiben, aber Sie schreiben mit Ihrer Geschichte auch eine Bewerbung. Also rücken Sie die besten Seiten Ihrer Persönlichkeit, Ihre Erfahrungen und Konflikte die Sie gelöst haben in strahlendes Licht.

Bewerbungsschreiben kürzen bedeutet nicht, dass Sie es auch würzen

Es stimmt schon, dass sich Menschen im Berufsalltag nicht mehr viel Zeit lassen, um lange Texte zu lesen. Wenn es wirklich spannende Texte sind, sieht die Geschichte wieder anders aus. Denken Sie daran, dass auch Menschen in der Personalbranche mit Bewerbungsschreiben überflutet werden. Viel Material, dass zuerst gesichtet und mühevoll selektiert werden muss. Einladungen gibt es nur für Bewerber, die den „Lebenslauf-Check“ überstehen und in weiterer Folge den definierten Erfordernissen halbwegs gerecht werden.

Um also Kandidat zu werden, müssen Sie positiv auffallen. Wenn in Ihrem Lebenslauf negativ wirkende Auffälligkeiten aufscheinen, erzählen Sie in Ihrem Schreiben darüber. Vielleicht gibt es dazu eine spannende Geschichte, die sich im Umkehrschluss wieder positiv auf Ihre Bewerbung auswirkt? Alles was sich positiv und spannend auf Ihre Geschichte und Ihre Bewerbung auswirkt ist erlaubt. Das sind keine Kriterien für die Länge eines Textes, sondern der Aufmerksamkeit, die Sie beim Leser wecken können.

Mut und Ausdauer bei Bewerbungsschreiben

Leider höre ich während der Krise auch immer wieder die Verzweiflung von Arbeitslosen, vor allem über 50-jährige und weibliche Betroffene in diesem Alter, die zudem alleinstehend sind. Versenden Sie möglichst kontinuierlich Ihre Bewerbungsschreiben an viele verschiedene Unternehmen. Auch wenn es Absagen hagelt ist es wichtig weiterzumachen und Ihr Schreiben anzupassen, wenn Sie entsprechendes Feedback dazu erhalten. Lassen Sie sich Ihr Alter nicht als Schwäche ankreiden und formen stattdessen daraus Ihre wahren Stärken. Schließlich haben Sie mit Ihrem Alter auch sehr viel berufliche Erfahrung gesammelt oder haben Ihr Kind alleine erzogen oder nicht?

Sie sind eine Persönlichkeit und keine Ware

Es gibt sicher auch sehr viele seriöse Personalagenturen, die bemüht sind, Ihnen ein neues Arbeitsumfeld zu schaffen. Achten Sie aber bitte immer darauf, dass Sie nicht zur Ware dieser Agenturen werden.

Ich helfe Ihnen sehr gerne mit DramaTec, um Ihr Bewerbungsschreiben mit Storytelling zu erstellen. Leider auch nicht ganz kostenlos, dafür erhalten Sie bei mir Ihr persönliches und nachhaltiges Portrait, mit dem Sie sich bei jedem Unternehmen präsentieren können. Sie können mich diesbezüglich jederzeit und unverbindlich kontaktieren.

Aber versuchen Sie es zuerst doch einfach selbst, denn niemand kennt Sie und Ihre Story so gut wie Sie selbst.

 

 

 

Pixaybay-Bild: loufre

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COVID-19 in der fiktionalen Welt

COVID-19 in der fiktionalen Welt

COVID-19 stößt die Tür unserer realen Welt auf, um in die fiktionale Welt von Film und Fernsehen einzudringen. Mittlerweile befremden uns Bilder aus der Zeit vor COVID. Bilder mit großen Menschenansammlungen, Umarmungen und Nahkontakt zu anderen Personen. Keine Masken, keine Distanz. Eine Zeit, die beinahe in Vergessenheit gerät und uns in Sehnsucht nach „Normalität“ schwelgen lässt. Mit dem Virus ist ein fiktionaler Albtraum zur Realität geworden, die jetzt auch noch auf der Überholspur in der fiktionalen Welt fährt.

Wie sieht unsere Welt nach der Pandemie aus?

Nicht nur eine philosophische Frage. Erinnern Sie sich noch, wie das vor COVID-19 war? Als Sie noch Nahkontakt zu Ihren Liebsten pflegten und diese herzlichst begrüßten. Wie Sie vielleicht asiatische Touristen mit Maskenschutz in den Innenstädten kopfschüttelnd belächelt haben? Wie denken wir heute darüber? Sind wir wirklich nur müde? Oder sind wir mittlerweile in einem Zustand, in dem wir uns kaum noch vorstellen können, wie wir ohne Virus gelebt haben?

Keine Frage. Wir sehnen uns nach der Rückkehr zur „Normalität“. Wie auch immer sie aussehen mag. Ohne Lockdowns und Corona-Regeln, ohne Ausgangssperren und wieder mit völliger Bewegungsfreiheit. Es wird Zeit, dass wir dahin zurückkehren. Und es wird wohl auch Zeit kosten, „Normalität“ wieder in unserer Realität wahrnehmen zu können.

COVID-Themen in COVID-Realität

Es war klar, das COVID-19 als Thema für fiktionale Stoffe spätestens nach der Krise und auch abseits großer Hollywoodproduktionen unsere Welt spülen wird. Es wird tausende Geschichten rund und um das Thema geben, uns in die Kinos und vor die Bildschirme locken. Dass die Pandemie aber noch vor Überwindung der Krise auch die fiktionale Welt erobert, war nur bedingt absehbar.

In zahlreichen US-Serien lässt sich dieser Bruch beispielsweise über Nacht nachvollziehen. Nach dem plötzlichen Abbruch laufender Produktionen und langen Drehpausen folgten die Storys nahtlos einer Dramaturgie, die das Virus jetzt auch als Problem in der fiktionalen Welt beinhaltet. Sicher nicht geplant, aber der finanzielle Druck war zu groß. Ein Abwarten auf das Pandemieende nicht möglich, um die Dreharbeiten „normal“ fortsetzen zu können.

COVID als dramaturgischer Stoff für die Nachahmung von Realität

Dramaturgisches Storytelling bedeutet Nachahmung von Realität. In der fiktionalen Welt der Fernsehserien sind wir bereits vor der Überwindung von COVID-19 in der Nachahmung unmittelbarer Realität angekommen. Beinahe beängstigend zeigt sich die Tatsache, dass wir offensichtlich auch noch während der Krise fiktionale Stoffe mit derselben Realität konsumieren.

Wie wird das wohl sein, wenn die fiktionale Welt und ihr Handlungsgeschehen wieder von der Realität eingeholt wird, wenn wir beginnen, zurück zur „Normalität“ zu finden? Jedenfalls teilen zu allem Überfluss jetzt auch noch die Storys und Figuren in der fiktionalen Welt die Probleme der Menschheit in der realen Welt.

COVID als größter Geschichtenausstoß in der Mediengeschichte?

Bisher war es so, dass nach den größten Katastrophen der Menschheit auch der größte Ausstoß von Geschichten folgte. Ein Ereignis wie COVID-19 hat es bisher nicht gegeben. Wir können also, nachdem wir das Virus endgültig bezwungen haben, mit einer Flut von Storys rund um das Thema rechnen.

Das bedeutet auch, dass für Storyteller genau jetzt die richtige Zeit ist, um auch nicht die „kleinen“ Geschichten rund um das große Thema zu vergessen. Das sind die aufblitzenden Storys, die uns Erfahrungen teilen lassen und uns tatsächlich berühren. Sie sind nicht minder spannend als das apokalyptische Blockbusterkino, das zwangsläufig folgen wird. Dann, wenn wir wirklich zurück in die „Normalität“ gefunden haben und in der „Sicherheit“ eines Kinosaales fiktionale Kost genießen.

 

 

 

Pixaybay-Bild: Alexandra_Koch

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YouTube und Direct Publishing

YouTube und Direct Publishing

Im Beitrag Selbstverleger im Onlinegeschäft schrieb ich über die vielen Vorteile und Möglichkeiten des Direct Publishing für Autoren. Als Analogie zum „Modell (Online)-Selbstverlag“ lassen sich auch bei der Plattform YouTube interessante Parallelen entdecken.

„DU sendest“

Mit „Broadcast Yourself“ als ursprünglichem Slogan nahm die Plattform YouTube sogar unmittelbar auf sich selbst Bezug. Ganz nach dem Motto „Strahle dich selbst aus“ forderte YouTube (= „Du Röhre“ oder „Du sendest“) explizit dazu auf, sich in den audiovisuellen Praktiken der Selbstinszenierung zu versuchen.

Einer der drei Gründer, Jawed Karim, postete mit Me at the zoo das erste Video auf der Plattform. Der erzählerische Akt zur Selbstinszenierung gehörte offensichtlich zur Gründungsintention. Erstmals war es möglich selbst Fernsehen zu machen, um für ein weltweites Publikum „auszustrahlen“. Das audiovisuelle Format des direct publishing war aber auch von Beginn an umstritten.

So lesen wir in einer Schrift des Internet-Kritikers Keen: „YouTube stellt sogar die Blogs noch in den Schatten, was die Geistlosigkeit und Absurdität seiner Inhalte betrifft. Offenbar ist nichts zu prosaisch oder zu narzisstisch für diese Affen mit der Videokamera. Die Site ist eine unendliche Galerie von Amateurfilmen, die arme Idioten beim Tanzen, Singen, Essen, Waschen, Einkaufen, Fahren, Putzen, Schlafen zeigen oder auch dabei, wie sie einfach nur auf den Computerbildschirm starren.“ (Andrew Keen, Die Stunde der Stümper 2008, orig.: The Cult of the Amateur, 2007)

Leser und Rezipienten als Taktgeber für „erfolgreiches“ Direct Publishing

Was schlussendlich gefällt oder nicht gefällt entscheidet nicht ein Sender oder ein Verlag, sondern das Publikum. Schnell haben sich die Inhalte der „Affen mit Videokamera“ weiterentwickelt. Eine natürliche Auslese. Mit Anstieg der Qualität, dem Einzug des Wissenstransfers mittels Tutorials und der Etablierung vieler anderer Clip-Genres, waren auch ernsthaft kommerzialisierbare Absichten nicht mehr fern. – Die Marketingmotoren brummen jedenfalls bis heute sehr laut.

Wenn Sie als Autor früher einen Verlag finden wollten, stießen Sie auf die erste große Hürde: „Zugänglichkeit.“ Es galt zuerst einen seriösen Verlag zu finden, der sich überhaupt mit Ihrem mühevoll verfassten „Meisterwerk“ auseinandersetzte. (Leider gibt es auch heute noch sehr viele unseriöse Direkt-Verlage, bei denen nur Sie selbst als Autor viel Geld investieren.) Ein guter Verlag muss Ihr Werk also zuerst als lesenswert einstufen und in ihr Projekt investieren. Dann verstreicht wieder sehr viel Zeit, bis Ihr Buch endlich gedruckt wird und meistens haben Sie bis dahin immer noch nichts verdient. Dabei entscheidet doch nur Ihr Leser, was er lesen möchte und wofür er bereit ist, auch einen angemessenen Preis zu bezahlen.

Keine Risiken mit Qualität

Direct Publishing bedeutet auch sehr hohe Eigenverantwortung. Als selbständiger Autor und Verleger in einer offen zugänglichen Infrastruktur mit zahlreichen Tools tragen Sie für die Publikation Ihrer Geschichten nur ein Risiko: Sie müssen mit bestmöglicher Qualität Ihr Publikum erreichen. Nicht ein Verlag oder ein Sender kann diese Risiken für Sie übernehmen. Sie gestalten Form und Inhalt Ihres Buches und entscheiden, welche Marketingaktivitäten und Kampagnen Sie für Ihr Projekt starten. Sind das nicht auch großartige Möglichkeiten, um endlich der Welt Ihre Geschichten erzählen zu können?

Reichweite nutzen

Egal ob Sie ein Tutorial starten, Unternehmensfilme veröffentlichen oder Ihre private Show inszenieren. Sie nutzen YouTube als Plattform mit höchster Reichweite. Wenn Sie Ihr Buchprojekt selbst publizieren möchten, konzentrieren Sie sich deshalb auf das reichweitenstärkste Programm mit den meisten Vorteilen und günstigsten Konditionen. (Genau, Sie wissen welches Verlagsprogramm ich meine.) Nutzen Sie die weltweite Reichweite und Erreichbarkeit dieser Plattform für Direct Publishing und veröffentlichen Sie risikofrei Ihre schubladisierten Bücher. Konzentrieren Sie sich dabei lediglich auf die Steigerungsfähigkeit der inhaltlichen Qualität.

Auch viele früher als „Affen mit Amateurfilmen“ verurteilte YouTuber haben ihre Inhalte weiterentwickelt und verbessert. Schlussendlich haben Sie aber mit Direct Publishing die eigenverantwortliche und einzigartige Möglichkeit mit Ihren Geschichten ein sehr großes Publikum zu erreichen. Aber vergessen Sie bitte auch nicht, dass erfolgreiches Storytelling genau dort beginnt, wo das Offensichtliche endet.

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