„God bless you“
Es geschah an einem Abend und die Sonne brannte immer noch unerträglich auf mein Gesicht an jenem Tag, der schon so viele Jahre zurück liegt. Und ich erinnere mich an diesen Sommertag als wäre er gestern gewesen und das nicht nur wegen der außergewöhnlich herrschenden Hitze oder weil der 5. Juli auch mein Geburtstag war.Ich verweilte an jenem Tag mit ein paar Freunden in Frascati, einem malerischen Ort außerhalb Roms. Wir waren schon den ganzen Tag unterwegs, irrten zwischen den engen Gässchen und zwischen den Märkten umher. Der Gestank des heißgebrannten Asphalts mischte sich mit den Gerüchen von frischem Pane di campagna, Prosciutto, Mozarella, Olive, Pomodori, Funghi, Melanzana, Parmigiano und vielen anderen Köstlichkeiten. Das reinste Schlaraffenland und trotzdem wäre mir an diesem Tag ein Sprung ins kühle Meer viel lieber gewesen. Mein Shirt klebte seit Stunden an der Brust und überhaupt war es einer der Tage, an denen auch am Abend kein Handtuch trocknete.Als wir endlich auf einer Anhöhe vor einer uns wohlbekannten Weinschenke eintrafen, stolperte der Kellner bereits über die viel zu schmale Eingangsschwelle, um den Gästen kühlen Weißwein und Wasser zu kredenzen. Wir begannen unsere Einkäufe auszupacken, um mit essen und trinken den nahenden Sonnenuntergang zu begleiten. Die Zeit verstrich so schnell wie die Sonne hinter einen Hügel eintauchend verschwand. Die Nacht brach an und das hell beleuchtete Rom in der Ferne löste die nur wenig abkühlende Abendstimmung ab. Wein floss unsere Kehlen hinunter und die Kellner wurden nicht müde, uns ständig nachzuschenken. Als endlich etwas Abkühlung zu spüren war, haben wir die Zeit endgültig vergessen. Und nur ein zufälliger Blick auf die Uhr ließ uns plötzlich, während unserem gemütlichen Beisammensein, aufschrecken. Der letzte Zug nach Rom würde in wenigen Minuten abfahren.In Windeseile packten wir alles zusammen und hetzten durch die romantischen Gässchen und die steinernen Stiegen hinunter zum Bahnhof. Gerade noch geschafft und völlig außer Atem betraten wir eines der Abteile. Erschöpft von der Rennerei ließ ich mich in einen der Sitzplätze fallen. Mir gegenüber setzt sich eine der Frauen. Sie packt einen dieser Biskuitkekse aus, die hierzulande gewöhnlich in Weißwein eingetunkt gegessen werden. „Meine Güte“, denke ich. „Wie kann sie jetzt und bei dieser Hitze immer noch so einen Keks essen?“ Sie bemerkt, wie ich sie beobachte und sie bietet mir einen der Kekse an. Ich schüttle dankend meinen Kopf. Dann sehe ich mich um, starre auf die vielen Plastiksäcke, die wir bei uns haben. „Was haben wir bloß alles gekauft. Die Hälfte von dem gekauften Essen schleppen wir jetzt wieder mit nach Hause.“Das Abteil ist beinahe leer. Ich sehe mich weiter um und entdecke ein verliebtes Paar am oberen Ende des Abteils. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich den aus dem Nichts aufgetauchten Typen neben mir gar nicht bemerkte. Ein Schwarzer, irgendwie sympathisch wirkender Kerl mit weißer Baseballmütze und auffälligem orange-farbigem T-Shirt fuchtelt neben mir aufgeregt herum und versucht in italienischer Sprache etwas zu erzählen. Ich zucke mit meinen Achseln, deute ihm mehrere Male, dass ich ihn nicht verstehe, bevor der Unbekannte so…
