Simpsons goes black: Warum Satire von Rassismusdebatten überrundet wird

Während Covid-19 sicher auch die nächsten Monate das mediale Weltgeschehen dominiert, bestimmen zumindest in den USA die anhaltenden Rassismusdebatten den Mediendiskurs in der Traumfabrik Hollywoods. Nachdem die Oscars zukünftig mehr Diversität in ihrem Reglement vorsehen, beginnen auch Erfolgskultserien ihren Zugang zum Diversitätsthema neu zu definieren. Die daraus resultierenden Konsequenzen könnten jedoch neue und nicht minder gravierende Einschnitte in den verschiedensten Kulturgenres bedeuten.

And the Oscar goes to…

Was mit Spannung zu erwarten sein wird ist, welche qualitativen Auswirkungen die Einschnitte der Academy auf die Medienprodukte ausüben wird. Löblich sind die offensichtlichen Bemühungen, mehr Vielfalt im Bereich Medienproduktion und den damit verbundenen Inhalten durch Inklusion ethnischer Minderheiten zu erreichen. Die Debatte rund um „das weiße Hollywood“ und dieses doch endlich etwas farbiger zu gestalten hat sich die letzten Jahre erkennbar zugespitzt. Freilich auch mit dramaturgischer Showinszenierung, als zum Finalhöhepunkt der Oscars 2017 doch noch ein „farbiges Happy End“ möglich wurde.

Wirksame PR-Arbeit ist in Hollywood nicht neu, hochwertige Qualität mit vielfältiger Beteiligung dürfte aber auch zukünftig nicht mit einem Reglement, sondern aufgrund des persönlichen Zugangs der Entscheidungsträger und der Mitgliederzusammensetzung der Academy möglich werden.

Die „Simpsons-Welt“ ist nicht nur gelb

Ebenfalls seit einigen Jahren steht das „Simpson-Universum“ unter massiver Kritik, ethnische Minderheiten mit den Stilmitteln der Satire und somit vor allem der Übertreibung regelrecht zu verspotten. Im Zentrum dieser Debatte standen unter anderem US-Schauspieler Hank Azaria und seine (sprachliche) Interpretation der indischen Figur Apu.

„Farbige Figuren sollen von farbigen Sprechern synchronisiert werden“, und es stellt sich gerade im Genre der Satire und somit in Erfolgsserien wie den Simpsons die Frage, ob weiße Sprecher die besseren Interpreten für farbige Figuren sind. Aber lassen sich Diversität und Inklusion mit auferlegten Reglements und mit Stilbrüchen in Genres wie der Satire tatsächlich erzielen? Umgekehrt wäre es doch sicherlich eine Bereicherung, wenn auch für farbige Komiker mit dem Stilmittel der satirischen Übertreibung endlich die hervorragende Interpretation weißer Figuren möglich wäre.

Extreme Folgen erfordern vernünftiges Handeln

Zweifelsohne ist und bleibt die Dringlichkeit hoch, das Thema Rassismus im medial-kollektiven Gedächtnis evident zu halten. Anstatt mit krampfhaften „Auge um Auge, Zahn um Zahn-Reglements“ vorherrschende Ungleichgewichte beseitigen zu wollen muss eines doch völlig klar sein: Diversität und Inklusion lassen sich nur mit vernünftigen und lösungsorientierten Handlungsweisen erzielen.

Das ist zwar leicht gesagt, aber auf unserer Welt geschieht ständig so viel erzählenswertes, dass ethnische Vielfalt und Partizipation automatisch erforderlich und sogar bedingt werden. Und über diese Geschichten der Welt und die dramaturgische Macht, diese Geschichten erzählenswert zu gestalten, erzähle ich in meinem nächsten Beitrag etwas mehr.

Pixaybay-Bild: Spital_Emmental